96. Jahrestagung der DOG 1998

P88

DIE A-WELLE IM BLITZ-ELEKTRORETINOGRAMM BEI GLAUKOMEN

I.M. Velten, M. Korth, F.K. Horn

Hintergrund: Histologische Untersuchungen (1) konnten bei fortgeschrittenen Glaukomen nicht nur eine Verminderung und Schädigung der retinalen Ganglienzellen, sondern auch der äußeren Netzhautschichten einschließlich der Photorezeptoren zeigen. Ziel der vorliegenden Studie war es, mit Hilfe von Blitz-Elektroretinogrammen zu untersuchen, ob sich auch elektrophysiologisch bei fortgeschrittenen Glaukomen eine verminderte Aktivität der Photorezeptoren nachweisen läßt.

Methoden: Bei 24 Patienten (Alter 33 bis 71 Jahre) mit fortgeschrittenen Glaukomen (primäre und sekundäre Offenwinkel- und Normaldruckglaukome) wurden ERGs mit weißen Blitzen einer Xenon-Lampe in einem Ganzfeld abgeleitet. Nach 30 Minuten Dunkeladaptation wurden Blitze von ansteigender skotopischer Helligkeit in einem Abstand von 5 Sekunden angeboten (höchste Helligkeit 5,3 cd s / m2, niedrigste 5,5 log Einheiten darunter). Je vier Blitzantworten wurden bei jeder Helligkeitsstufe gemittelt. Die Naka-Rushton-Gleichung wurde verwendet, um eine geglättete Kurve an jede Funktion zwischen Blitzhelligkeit und Gipfelamplitude der A-Welle anzupassen. Die Parameter Vmax, n und k wuden interokulär und mit einer altersangepaßten Normalgruppe (Statistik: T-Test für verbundene bzw. unverbundene Stichproben) verglichen. Eine statische Perimetrie mittels des Octopus 500 Perimeters, Programm G 2 oder G 3, wurde bei allen Probanden durchgeführt, um das schwerer betroffene Auge festzustellen. Die Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, wenn die Differenz des mittleren Defekts (mean defect, MD) mindesten 1,5 dB zwischen den beiden Augen betrug.

Ergebnisse: In der Glaukomgruppe waren in dem Auge mit dem niedrigeren MD-Wert im Vergleich zu demjenigen mit dem höheren die Parameter Vmax, n und k signifikant größer (p < 0,01). Im Vergleich mit der Normalgruppe war nur Vmax in der Glaukomgruppe signifikant niedriger als in der Normalgruppe (p < 0,05).

Schlußfolgerungen: Die niedrigere maximale Amplitude in dem Auge mit dem weiter fortgeschrittenen Glaukomschaden und in der Glaukom- im Vergleich mit der Normalgruppe erlaubt, zusätzlich zu den bisherigen histologischen Befunden, auch anhand dieser elektrophysiologischen Untersuchung die Annahme, daß bei

fortgeschrittenen Glaukomen die äußeren Netzhautschichten mit betroffen sein können.

  1. Panda S, Jonas JB: Decreased photoreceptor count in human eyes with secondary angle-closure glaucoma. Invest Ophthalmol Vis Sci, 1992; 33:2532-2536.

Mit Unterstützung der DFG, Sonderforschungsbereich Glaukome (SFB 539).

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen


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