96. Jahrestagung der DOG 1998

V563

RETINAL VESSEL ANALYZER (RVA) - EINE NEUE METHODE

W. Vilser

Die Gefäßdurchmesser der Netzhaut beeinflussen als Stellglieder der lokalen Regulation, als Angriffsort verschiedener Erkrankungen und Wirkungsort von therapeutischen Maßnahmen wesentlich die retinale Mikrozirkulation, Blutfluß, Druck- und Geschwindigkeitsverteilungen über das Gefäßbett sowie strömungsbedingte Stoffaustauschbedingungen. Die retinale Gefäßanalyse mit dem RVA (Zeiss Jena GmbH ) ist eine neue Methode zur quantitativen und objektiven Bewertung des zeitlichen und örtlichen Verhaltens der Gefäßdurchmesser retinaler Astgefäße.

Methode: Grundlage der Gefäßanalyse des RVA sind on line Messungen des Gefäßdurchmessers. Intelligente Meßtechnik erfaßt und analysiert optische Remissionsprofile, erkennt Gefäßabschnitte automatisch, überwacht und reduziert Fehler und ermittelt den Gefäßdurchmesser unabhängig von Augenbewegungen, Helligkeits- und Kontrastschwankungen im Bild. Der Untersucher wählt sich am Monitorbild vom Fundus Gefäßabschnitte (bis 2mm Länge) aus, deren Gefäßdurchmesser mit 25 Meßwerten/s abgetastet, in Abhängigkeit von der Zeit on line aufgezeichnet und grafisch dargestellt werden. Die örtlichen und zeitlichen Änderungen der Gefäßdurchmesser werden durch den RVA analysiert, als Mittelwerte mit statistischen Kennzahlen und als Grafiken ausgegeben.

Ergebnisse: Untersuchungen an Normalpersonen aus verschiedenen Studien im Überblick zeigen örtliche Änderungen des Gefäßdurchmessers bis zu 10%. Zeitliche Änderungen (Pulsationen 0,5-2%, Vasomotionen 1-4%, circadiane Rhythmen), Blutdruckabhängigkeiten sowie Provokationsantworten (je nach Provokationsart -14 bis +10%) auf CO2-, 02- und Rückatmung, Intraokulardruckerhöhung, Lichtbelastung, und physischer Belastung sind an einzelnen Gefäßabschnitten signifikant nachweisbar. Die Gefäßantworten sind entlang des Ortes eines Gefäßabschnittes unterschiedlich stark. In Abhängigkeit von den Meßbedingungen und der medizinischen Fragestellung können Nachweisgrenzen für Änderungen des Gefäßdurchmessers kleiner als 1% erreicht werden.

Schlußfolgerungen: Mit dem RVA sind neue Möglichkeiten zur Funktionsdiagnostik der retinalen Mikrozirkulation und deren Regulation sowie zur objektiven Erfassung therapierelevanter Veränderungen gegeben. Insbesondere gestattet diese Methode signifikante Aussagen für den Einzelfall.

Gefördert durch das TMWFK: B303-96144

Technische Universität Ilmenau, BMTI, PF 100565, D-98684 Ilmenau


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