96. Jahrestagung der DOG 1998

P546

INTRAVITREALE INFILTRATION BEI GENERALISIERTEM LYMPHOPLASMOZYTOIDEM IMMUNOZYTOM

U. Sengler, C. Althaus, A. Kersten, J. Stammen

Eine okuläre Beteiligung im Rahmen von generalisierten Lymphomen besteht meist in einer Infiltration von Lymphomzellen in Orbitagewebe, Tränendrüse oder Konjunktiva. Wir stellen einen Patienten mit einer intravitrealen leukozytären Infiltration als Erstsymptom eines generalisierten Immunozytoms vor.

Kasuistik: Der 76-jährige Patient wurde uns mit der Verdachtsdiagnose einer Glaskörperblutung bei seit vier Wochen bestehender Visusminderung rechts überwiesen. Das rechte Auge zeigte speckige Endothelpräzipitate, einen geringen Vorderkammerreizzustand (Tyndall-Phänomen +, kein Zellnachweis) und dichte, zelluläre Glaskörpertrübungen; das linke Auge war intraokular reizfrei. Beidseits war der Pupillarsaum zirkulär durch multiple kleine Zysten begrenzt. Durch lokale Steroid-Therapie besserte sich zwar der Vorderabschnittsbefund, die Glaskörpertrübungen blieben aber unverändert dicht. Aufgrund zunehmender Schwindelsymptomatik, Ataxie sowie Übelkeit erfolgte eine internistische und neurologische Abklärung. In der Immun-Elektrophorese fiel eine monoklonale IgA-Vermehrung ohne sekundäre Immundefizienz auf. Die Knochenmarkshistologie zeigte hyperplastische Veränderungen ohne Plasmazell-Infiltration. Osteolytische Veränderungen des Stammskeletts bzw. des Schädels konnten radiologisch nicht nachgewiesen werden. In der NMR-Bildgebung fanden sich mehrere große Herdläsionen. Da inzwischen auch am linken Auge zunehmende Glaskörpertrübungen beobachtet werden konnten, wurde aus therapeutischen und diagnostischen Gründen ein pars-plana-Vitrektomie rechts durchgeführt. Aus dem Glaskörper-Biopsat konnte die Diagnose eines niedrigmalignen Lymphoms gestellt werden, die zytologische Untersuchung des Liquor cerebrospinalis bestätigte dies als lymphoplasmozytoides Immunozytom. Bei ausgeprägter zerebraler Metastasierung wurde eine Radiotherapie begonnen, in deren Verlauf sich die Herde deutlich und die neurologischen Symptome zum Teil zurückbildeten. Die Glaskörper-Infiltrationen am linken Auge zeigten keine weitere Progression.

Schlußfolgerung: Ein generalisiertes Immunozytom kann zuerst durch eine okuläre Symptomatik auffallen, ohne daß eine weitere systemische Symptomatik vorliegt. Mit Hilfe der zytologischen Untersuchung eines Glaskörper-Aspirats kann die Diagnose gesichert werden.

Univ.-Augenklinik, Moorenstr. 5, D-40225 Düsseldorf


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