96. Jahrestagung der DOG 1998

P540

ANTERIORER PERSISTIERENDER HYPERPLASTISCHER PRIMÄRER GLASKÖRPER BEI ATYPISCHEM IRISKOLOMBOM

C. Klais, K. Vanselow, M. Hacker, A. Zubcov, N. Stärk

Einleitung: Ein persistierender hyperplastischer primärer Glaskörper (PHPV) kann sich in unterschiedlichen Ausbreitungsformen darstellen, wobei die vordere Variante sehr selten beobachtet wird. Wir stellen ein Kind mit atypischem anteriorem PHPV kombiniert mit atypischem Iriskolombom vor.

Kasuistik: Ein 3-jähriges Mädchen stellte sich aufgrund einer kurz zuvor auswärtig diagnostizierten Linsentrübung des rechten Auges in unserer Klinik vor. Seit Geburt war ein nasal horizontales Kolombom der Iris bekannt, die Linse wurde zu diesem Zeitpunkt als klar beschrieben. Bei der Erstuntersuchung in unserer Klinik konnten wir am rechten Auge ein atypisches Iriskolombom zwischen 2.30 und 5.30h sehen. Zusätzlich zeigte sich ein transparentes, fibrovaskuläres Gewebe, welches von dem Irisstroma am Kolombomrand flächig auf die Linsenvorderfläche zog und parazentral bogenförmig mit der vorderen Linsenkapsel zu verschmelzen schien. Hierbei handelt es sich um eine im Kolombombereich atypisch inkomplett zurückgebildete Tunica vasculosa lentis im Sinne eines anterioren PHPV’s. In der Sonographie bestätigte sich der Verdacht eines Mikrophthalmus. Der Fundusbefund war unauffällig. Am linken Auge bestand ein regelrechter Vorderabschnitts- und Fundusbefund. Die zentrale Sehschärfe betrug OD 3/60 und OS 6/12 Sheridan-Gardiner-Test (SGT). Die Prüfung auf Binokularsehen war negativ. Die Skiaskopie erbrachte folgenden Befund: OD -1,0 ± +7,0/90° und OS -1,75 ± +1,75/110° . Nach Brillenkorrektur und Amblyopietherapie über 5 h/d stieg die Sehschärfe in 3 Monaten auf OD 6/24 und OS 6/6 SGT an.

Zusammenfassung: Wird erst im Alter von 3 Jahren die Diagnose eines anterioren PHPV’s erhoben, stellt sich die Frage der operativen oder konservativen Therapie. Wird aufgrund der fehlenden Binokularfunktion die konservative Therapie bevorzugt, kann eine konsequente Amblyopietherapie und Refraktionskorrektur trotzdem noch zu befriedigenden funktionellen Ergebnissen führen.

Universitäts-Augenklinik, Theodor Stern Kai 7, 60590 Frankfurt/Main


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