96. Jahrestagung der DOG 1998

P539

BEIDSEITIGE PIGMENTEPITHELIOPATHIE NACH SYSTEMISCHER STEROIDTHERAPIE

B. Wiechens, B. Nölle, G. Häring

Hintergrund: Zu den bekannten okulären Nebenwirkungen einer lokalen oder systemischen Steroidtherapie zählen die Cataracta complicata nach chronischer Einnahme des Medikamentes und das häufig schlecht therapierbare Sekundärglaukom. Beidseitige Veränderungen im Bereich der Makula als Komplikation einer kurzfristigen Cortisonbehandlung sind jedoch extrem selten.

Patientenvorstellung: Wir berichten über einen 32-jährigen Patienten, bei dem vor 2 Jahren erstmals wegen einer Neuritis nervi optici links als Erstmanifestation einer multiplen Sklerose eine 5 Tage dauernde systemische Therapie mit 1.000 mg Decortin H/d durchgeführt worden war. Veränderungen am Fundus fanden sich zum Zeitpunkt der Erstvorstellung beidseits nicht. Einige Tage nach der Behandlung kam es zu einer Sehverschlechterung auf dem rechten Auge. Funduskopisch und fluoreszenzangiographisch fanden sich an beiden Augen neu aufgetretene, ausgedehnte Veränderungen im retinalen Pigmentepithel (RPE) mit subretinalem Exsudat. Einige Wochen nach Behandlungsende bildete sich der subretinale Erguß beidseits zurück. Der Visus rechts stieg auf 0,63, links auf 1,0 an.

Wegen einer Neuritis nervi optici, jetzt auf dem rechten Auge, wurde 2 Jahre später eine erneute 5-tägige Cortison-Bolustherapie durchgeführt. Zwei Wochen nach deren Beginn kam es zu einer Verschlechterung der Sehschärfe auf dem anderen Auge wegen subretinaler Exsudationen aus den bekannten RPE-Defekten. Nach Ende der Therapie kam es ebenfalls zu einer langsamen Besserung der Sehschärfe links.

Ergebnis: Der Verlauf dieses Patienten zeigt eine sehr seltene okuläre Komplikation nach kurzfristiger systemischer Corticosteroidgabe.

Schlußfolgerung: Bei neu auftretenden Veränderungen im Bereich des retinalen Pigmentepithels, u.U. verbunden mit einer serösen Abhebung der neurosensorischen Netzhaut, ist an eine steroidbedingte okuläre Nebenwirkung zu denken, die eine sofortige Beendigung der Medikamentengabe erforderlich machen kann, soweit dies die zugrunde liegende Erkrankung zuläßt.

Klinik für Ophthalmologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Hegewischstr. 2, 24105 Kiel


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