96. Jahrestagung der DOG 1998

P505

ROLLE DER ICAM-1 MEDIIERTEN LEUKOZYTENADHÄSION IN DER FRÜHEN CORNEALEN ANGIOGENESE IN VIVO

M. Becker, F.E. Kruse, L. Azzam, R. Nobiling1, M.M. Gebhard1, J. Reichling2

Einleitung: Auf die Bedeutung der Anwesenheit von Leukozyten in der frühen Angiogenese wird in vielen Veröffentlichungen immer wieder hingewiesen. Das Ausmaß der Neovaskularisation konnte so z.B. mit der Dichte und Größe des Leukozyteninfiltrats korreliert werden. Zur Quantifizierung der ICAM-1 mediierten Leukozyten- Endothel-Interaktion beobachteten wir das leukozytäre Adhäsionsverhalten während früher Phasen der cornealen Angiogenese mit hochauflösender Fluoreszenzangiographie in vivo (1)

Methoden: Hornhautneovaskularisationen wurden in NZW-Kaninchen durch intrastromale Implantation von 750 ng vascular endothelial growth factor (VEGF) enthaltenden Pellets induziert. Zur Anfärbung der Leukozyten wurde Rhodamin 6G eingesetzt. Die Leukozytenadhäsion sowie das Gefäßwachstum wurden in vivo quantifiziert. Zur Inhibition der ICAM-1 mediierten leukozytären Adhärenz wurde eine anti-ICAM-1 enthaltende Mikroemulsion topisch appliziert.

Ergebnisse: Bereits 24 h nach Pelletimplantation zeigten Leukozyten in Limbusgefäßen eine deutliche Adhärenzsteigerung. Sowohl die Anzahl rollender als auch fest adhärenter Leukozyten war signifikant erhöht (p<0.01). Die Behandlung mit anti-ICAM-1 reduzierte die Anzahl fest adhärenter Leukozyten, wobei die Fraktion der rollenden Leukozyten kompensatorisch anstieg. Die Größe des Neovaskularisationsareals war signifikant kleiner in Augen, die mit anti-ICAM-1 behandelt wurden.

Schlußfolgerung: Unsere Ergebnisse unterstützen die Hypothese, daß der ICAM-1 mediierten Leukozytenadhäsion eine wichtige Rolle in der frühen Angiogenese zukommt. Mit unserem Modell können antikörper-mediierte Änderungen der Leukozyten-Endothel-Interaktion in vivo sichtbar gemacht und quantifiziert werden.

Augenklinik, Institut für Experimentelle Chirurgie1, Institut für Pharmazeutisch Biologie2, Universität Heidelberg, D-69120 Heidelberg

  1. Becker M, Kruse FE et al., Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 1998; im Druck


Zurück