96. Jahrestagung der DOG 1998

P496

PERIOSTDECKUNG DER HORNHAUT BEI KERATOMALAZIE

H. Mittelviefhaus, C. Auw-Hädrich

Einleitung: Einschmelzende Hornhautprozesse können durch eine Bindehautdeckung oder Hornhautaufnähung behandelt werden. Eine Deckung mit Duragewebe kommt wegen der potentiellen Gefahr einer BSE-Übertragung nicht in Frage. In ungünstigen Fällen, bei denen eine Keratoplastik nicht möglich ist oder erneut einschmilzt und bei denen eine Hornhautaufnähung bzw. Bindehautdeckung ebenfalls nicht ausreichend lange auf dem Auge bleibt, kann eine Periostdeckung den Augapfel erhalten. Wir berichten über unsere Erfahrungen bei 6 Patienten.

Methode: Zwischen Nov. 1996 und Jan. 1998 wurde bei 6 Patienten eine Periostdeckung der Hornhaut vorgenommen (Alter: 59 bis 91 Jahre, m=68 Jahre). Bei einem Patienten war eine Berstungsverletzung nach perforierender Keratoplastik vergeblich mit Dura gedeckt worden. Eine Patientin mit einem okulären Pemphigoid hatte eine beids. Keratomalazie. An einem Auge waren zwei erfolglose Keratoplastiken vorausgegangen. Zwei Patienten hatten eine primär chronische Polyarthritis und zwei Patienten ein neuroparalytisches Hornhautulkus. Bei 5 Patienten war das Hornhautulkus zum Zeitpunkt der Operation zum Teil großflächig perforiert. Das Periost wurde aus der Fossa temporalis oder vom lateralen Rand der Orbita entnommen, mit 10-0 Nylonfäden auf die ulzerierte Hornhaut genäht und mit Bindehaut bedeckt.

Ergebnisse: Durch die Periostdeckung konnte bei allen Patienten der Augapfel erhalten werden. Bei einem Patienten mit Monokulus wurde die Sehfähigkeit von Wahrnehmung von HBW auf 1/35 verbessert. Bei keinem Patienten kam es zu einer erneuten Gewebeeinschmelzung, die das Periost gefährdete. Dies deutet auf ein unterschiedliches Antigenmuster des Hornhaut- und Periostgewebes hin.

Schlußfolgerung: Die Periostdeckung der Hornhaut stellt eine ultima ratio bei einschmelzenden Hornhautprozessen dar, bei denen eine Keratoplastik oder Hornhautaufnähung nicht möglich ist oder damit gerechnet werden muß, daß dieses Hornhautgewebe ebenfalls einschmelzen wird.

Univ.-Augenklinik Freiburg, Killianstr. 5, D - 79106 Freiburg


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