96. Jahrestagung der DOG 1998

V482

TRANSPLANTATION MEHRERER LAGEN VON AMNIONMEMBRAN BEI TIEFEN HORNHAUTULZERA

F.E. Kruse, K. Rohrschneider, H.E. Völcker

Die Transplantation von konservierter menschlicher Amnionmembran (AMT) stellt eine wesentliche Bereicherung der rekonstruktiven Chirurgie der Augenoberfläche dar. Bei tiefen Hornhautulzera kommt es jedoch bei Transplantationen einer einzelnen Membran oft zur unzureichenden Auffüllung des Defektes unter anderem weil sich die Membran vor vollständiger Epithelialisierung auflöst. Wir beschreiben daher unsere Erfahrungen mit einer mehrschichtigen Defektdeckung von tiefen Hornhautulzera.

Methode: Bei 12 konsekutiven Patienten mit tiefem Hornhautulkus (drei Descemetocelen) wurde eine Deckung mit Amnionmembranen (konserviert in 50% Glycerin bei -80° C) durchgeführt. Dazu wurde der Defekt nach sorgfältiger Entfernung des umgebenden Epithels mit konzentrischen Stücken Amnionmembran bis zur Höhe der gesunden Hornhaut ausgefüllt und dann mit einer größeren Membran gedeckt. Postoperativ wurden die Patienten bis zur Entfernung der 10-0 Fäden nach bis zu 4 Wochen mit Kontaktlinse versorgt.

Ergebnisse: Bei 10 Patienten kam es nach bis zu 4 Wochen zu einer Reepithelialisierung der Membran die seither (10 ± 4 Monate) stabil war. Die nunmehr subepithelial gelegene Membran verkleinerte sich sukzessive, blieb jedoch teilweise noch nach 12 Monaten biomikroskopisch nachweisbar. Nur ein Patient mit Descemetozele zeigte eine unvollständige Epithelialisierung mit Ulkusrezidiv, ein weiterer mit zusätzlicher Benetzungsstörung erlitt nach 2 Monaten einen Hornhautepitheldefekt, der mit Verbandskontaktlinse therapierbar war.

Diskussion: Die hier vorgestellte Transplantation von mehreren Lagen Amnionmembran eignet sich zur Rekonstruktion auch sehr tiefer Hornhautulzera und stellt somit eine Alternative zur Keratoplastik dar. Wichtig für den Erfolg der AMT ist eine rasche Epithelialisierung des Transplantats. Postoperativ scheint es dann zu einem fortschreitenden Ersatz der Amnionmembran durch Stromagewebe zu kommen.

Augenklinik der Universität Heidelberg, INF 400, D-69120 Heidelberg


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