96. Jahrestagung der DOG 1998

V478

ERGEBNISSE UND INDIKATIONEN DER AMNIONMEMBRAN- TRANSPLANTATION

H.E. Völcker, K. Rohrschneider

Die Transplantation konservierter menschlicher Amnionmembran (AMT) stellt eine Bereicherung der rekonstruktiven Chirurgie der Augenoberfläche dar. Jedoch gibt es mit dieser Technik bisher nur begrenzte Erfahrungen. Wir beschreiben daher Indikationen und Ergebnisse, die wir innerhalb des 1. Jahres mit der Verwendung von Amnionmembran zur Rekonstruktion der Augenoberfläche gemacht haben.

Methode: Amnionmembran wurde nach normaler Kaiserschnittgeburt gewonnen und nach steriler Präparation in 50% Glycerin bei -80° C konserviert. Intraoperativ wurde die Membran für den jeweiligen Defekt konfiguriert. Die Fixation erfolgte korneal mit 10-0 Nylon und konjunktival mit 8-0 Seide oder Vicryl. Patienten wurden nach AMT mit Kontaktlinse versorgt und die Fäden nach 4 Wochen gezogen. Wir berichten über Erfahrungen mit AMT bei 20 Patienten über 12 Monate.

Ergebnisse: Indikationen für waren persistierende Epitheldefekte mit sterilem Ulcus z.B. auf neurotrophischer Grundlage und auf Transplantaten. Nach AMT zeigten 12 Patienten stabile Reepithelialisierung und Stromaverdickung nach schrittweiser Auflösung der Membran; zwei Patienten hatten dagegen erneute epitheliale Wundheilungsstörungen. Darüber hinaus ermöglichte AMT bei zwei weiteren Patienten eine erfolgreiche Limbusrekonstruktion bei Papillom/intraepithelialem Neoplasma. Temporäre Rekonstruktionen waren auch nach großflächiger Verätzung und postoperativen Bindehautdefekten möglich. Zwei Patienten erlitten nach AMT bei rezidivierendem Pterygium ein erneutes Rezidiv.

Diskussion: AMT eignet sich zur Rekonstruktion von sterilen Hornhautulzera, von Limbus- und von Bindehautdefekten. Ausschlaggebend für den Erfolg ist die Entfernung des Patientenepithels unter der Membran und deren genaue Orientierung. Dank der guten Verfügbarkeit durch Kryokonservierung und der komfortablen chirurgischen Handhabung stellt die AMT eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Verfahren zur chirurgischen Rekonstruktion der Augenoberfläche dar.

Augenklinik der Universität Heidelberg, INF 400, D-69120 Heidelberg


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