96. Jahrestagung der DOG 1998

P471

VERÄNDERUNGEN DER RETINALEN MIKROZIRKULATION BEI PATIENTEN MIT DIABETES MELLITUS UND ARTERIELLER HYPERTONIE IM VERGLEICH ZU PATIENTEN OHNE ARTERIELLE HYPERTONIE

M. Rüffer, O. Arend, A. Remky, B. Bertram, B. Kirchhof

Sowohl bei Patienten mit einer diabetischen Retinopathie, als auch bei einer arteriellen Hypertonie sind fluoreszenzangiograpisch darstellbare Veränderungen der retinalen Mikrozirkulation beschrieben. Beide Grunderkrankungen führen isoliert zu einer Reduktion der kapillären Fließgeschwindigkeit und zu einer Vergrößerung der parafovealen kapillarfreien Zonen. In dieser Studie wurde untersucht, ob beim Bestehen eines Diabetes mellitus durch eine zusätzliche arterielle Hypertonie ein additiver Effekt der mikrozirkulatorischen Meßgrößen hervorgerufen wird.

Patienten: 62 Patienten mit Diabetes mellitus und arterieller Hypertonie wurden mit einer nach dem Retinopathiestadium (ETDRS Einteilung) gematchten Kontrollpopulation diabetischer Patienten ohne Hypertonie (n=62) verglichen. Bei den Patienten wurden Fluoreszeinangiographien mit dem Scanning Laser Ophthalmoskop durchgeführt und im Makulabereich die kapilläre Fließgeschwindigkeit (KFG), die Fläche kapillarfreier Zonen (KFZ) und der fovealen avaskulären Zone (FAZ) mittels Bildanalysesystem ausgewertet.

Ergebnisse: Die beiden Populationen zeigten signifikante Unterschiede für die systolischen und diastolischen Blutdruckwerte (syst. p=0,01; diast. p=0,0003). Weder die dynamischen (KFG) noch morphologischen Meßgrößen (KFZ, FAZ) zeigten einen additiven Effekt der arteriellen Hypertonie auf die makuläre Kapillarzirkulation.

Zusammenfassung: Die arterielle Hypertonie führte in dieser Untersuchung nicht zu einer zusätzlichen, über die diabetischen Schäden hinausgehende Beeinträchtigung der makulären Zirkulation. Dies könnte dadurch erklärt sein, daß es sich bei dem vorgestellten Patientengut meist um kontrollierte und antihypertensiv behandelte Patienten (75%) handelt. Zudem zeigten epidemiologische Studien (Moss 1994) bei Diabetikern keine Korrelation zwischen einem signifikanten Visusverlust und erhöhten Blutdruckwerten und Nergaardt et al. (1991) stellten fest, daß die arterielle Hypertonie nicht per se mit zunehmenden retinalen Veränderungen assoziiert ist, wenn nicht eine klinisch apparente Nephropathie hinzukommt.

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