96. Jahrestagung der DOG 1998

V446

NEUERE KURATIVE UND OPTISCHE THERAPIEINDIKATIONEN BEI SCHWERSTEN INFEKTIÖS BEDINGTEN HORNHAUTULZERA

A.A. Bialasiewicz, A. Hassenstein, A. Assadoullina, G. Richard

Das Vorgehen bei infektiös bedingten Keratitiden mit und ohne Hornhautperforation wird kontrovers diskutiert. Konservative und unzureichende Langzeittherapie und verzögerte chirurgische Indikationsstellungen können zu erheblichen Komplikationen führen. Neue und flexible Therapiestrategien haben zu einem schnellen kurativen Effekt mit optischer Rehabilitation geführt und die Hospitalisierungszeit deutlich unter 2 Wochen gesenkt. Wir berichten über das Vorgehen und die Ergebnisse von infektiös bedingten Keratitiden, die einen kombinierten Eingriff a chaud erhielten.

Patienten: Von 130 Augen (125 Patienten) mit einer triple Prozedur, d.h. perforierende Keratoplastik und extrakapsuläre Kataraktextraktion im Zeitraum 1994-1997 wurden 66 Augen A chaud versorgt. Diagnosen: Ulkus serpens: 22x; Akanthamöbenkeratitis: 7x, HSV- und VZV-bedingte Perforation: 11x; rheumatoide Arthritis: 11x; Lagophthalmus: 5x; Verätzung: 4x; Trauma: 2x; okuläres Pemphigoid: 3x; Stevens Johnson Syndrom: 1x. OP: mini-KPL 5x, Sklero-KPL 6x, S-Naht-HKL: 5x.

Ergebnisse: Ulcus serpens: Lokalantibiose mit Ofloxacin, systemische Antibiose mit Ciprofloxacin und Carbapenem; OP ohne Verzögerung mit intraoperativer Festlegung des Erregereintritts, entsprechender Trepanation (Berücksichtigung der optischen Komponente), Vorderkammerrekonstruktion, ecce, HKL-Implantation bei Cat. complicata oder wenn eine Kammerwinkelwiederherstellung nicht gelingt, Iridektomie, Applikation von i.o. Cefotiam und rekombinantem Gewebe-Plasminogenaktivator, systemische Gabe von >120mg Methylprednisolon. Nachuntersuchungszeitraum: 6 Monate bis 4 Jahre, im Mittel 2 1/2 Jahre. Die 22 Augen mit schwersten bakteriellen Hornhautulzera waren intraokular im Mittel nach 1 1/2 Tagen reizfrei, Visusbesserung in jedem Falle; Verweildauer: 9 Tage (4-20 Tage). Komplikationen: Fibrinausschüttung 1x, Transplantatreaktion: 1x, Chronifizierung oder Erregerreaktivierung: 0x, Sek.glaukome: 0x.

Schlußfolgerung: Flexible Indikationsstellungen für operative Eingriffe und Anwendung neuer Medikamente zur Infektions- und Entzündungsbekämpfung sind ein wesentlicher Fortschritt für den schnellen kurativen und optischen Erfolg bei Patienten mit schwersten infektiös bedingten Keratitiden.

Universitäts-Augenklinik Eppendorf, Martinistr. 52, D-20246 Hamburg
Unterstützt durch: Deutscher Akademischer Austauschdienst A/96/28745


Zurück