96. Jahrestagung der DOG 1998

V417

DIE FADENOPERATION ALLEIN UND IN VERBINDUNG MIT BEIDSEITIGER MEDIALISRÜCKLAGERUNG ZUR BEHANDLUNG VON ESOTROPIEN MIT KONVERGENZEXZESS

N. Stärk, A. Zubcov, K. Vanselow

Wenn Kinder einen operationswürdigen Fernwinkel, zugleich aber einen Konvergenzexzess, d.h. einen um mindestens 10 PD größeren Nahwinkel haben, so bieten sich als chirurgische Maßnahmen die beidseitige Medialisrücklagerung nach Parks und die Fadenoperation nach Cüppers an. Das Ziel unserer Studie bei der Beantwortung der Frage, wie zuverlässig die beidseitige Fadenoperation (FOP) allein und in Verbindung mit einer beidseitigen Medialisrücklagerung, den Fern- und Nahwinkel auf Werte unter 10 PD zu reduzieren vermag, und welche Dosis-Wirkungsbeziehungen sich für diese Eingriffe ergeben.

Patienten: 83 Patienten im Alter von 2-14 Jahren (mittleres Operationsalter 5,4 Jahre), 37 Kinder mit frühkindlicher und 46 mit erworbener Esotropie und Konvergenzexzess (10-35 PD Fern-/Nahdifferenz) erfüllten unsere Einschlußkriterien; Mindestkontrollzeit 3 Monate postoperativ, keine Voroperationen. Ausgeschlossen wurden Patienten mit dynamischem Winkel. Die prae- und postoperativen Daten wurden in ein Schielprogramm (Access) eingegeben, von dort in einem Rechenprogramm (Excel) bearbeitet und anschließend in das Grafikprogramm Harvard Graphics 3.0 übertragen.

Ergebnisse: Bei 76 Patienten (92%) konnte die Fern-/Nahdifferenz des Schielwinkels auf unter 10 PD und bei 72 Patienten (87%) sogar unter 5 PD reduziert werden. Eine Reduktion des Schielwinkels in der Nähe unter 10 PD gelang in 75 (90%) der Fälle. Die prae- und postoperativen Winkel für jeden einzelnen Fall werden in leicht verständlichen Grafiken dargestellt. Postoperativ erreichten 6 Kinder (7%) bifoveolare Fusion mit einer Stereosehschärfe von 40 bis 60", 33 hatten eine Stereopsis von 80-800". Zwölf Kinder (14%) hatten Bagolini und die Titmus-Fliege (3000") positiv, 18 Kinder erkannten in Ferne und Nähe Bagolini richtig aber ohne nachweisbare Stereopsis. Zehn Kinder trugen postoperativ eine Bifokalbrille, die wir sie auch dann tragen liessen, wenn die Fern-/Nahdifferenz unter 10 PD war, sich durch Nahzusatz aber die Stereosehschärfe steigern ließ. Bei 2 Kindern konnten wir die Bifokalbrille inzwischen wieder absetzen. Ein Kind haben wir wegen einer Über- und 1 Kind wegen einer Unterkorrektur nachoperiert.

Schlußfolgerung: Die Fadenoperation allein oder in Kombination mit konventioneller Chirurgie ist eine wirkungsvolle und zuverlässige chirurgische Behandlungsmethode bei Kindern mit Esotropie und akkommodativem, teil- oder nichtakkommodativem Konvergenzexzess.

Universitäts-Augenklinik Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, D-605990


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