96. Jahrestagung der DOG 1998

K413

Hochhydrophile Orbitaexpander zur Therapie des kongenitalen Anophthalmus

A. Bacskulin1, M. Vogel2, K.G. Wiese3, K. Gundlach4, R. Guthoff1

Hintergrund: Das Auge ist ein wichtiger Wachstumsstimulus bei der physiologischen Ausformung der Orbitastrukturen. Beim Anophthalmus kann neben einer möglichst frühzeitigen prothetischen Versorgung des Kindes im Einzelfall auch eine chirurgische Intervention zur Erweiterung der Orbitastrukturen erwogen werden.

Methode: In den vergangenen 15 Monate wurde bei drei Kindern im Alter von 4 bis 11 Monaten aufgrund eines ein- oder beidseitigen Anophthalmus ein neuartiger Orbitaexpander in den z.T. erheblich reduzierten Bindehautsack implantiert. Dieser aus Poly-HEMA bestehende Expander mit einem späteren Wassergehalt von 98% wird im dehydrierten Zustand eingesetzt. Nach rascher Quellung durch die Tränenflüssigkeit konnte binnen sechs Wochen eine erhebliche Aufweitung der Konjunktiva induziert werden, sodaß die Erstanpassung einer zunächst sphärischen, später doppelwandigen konvex-konkaven Glasprothese möglich war.

Ergebnis: Während der bisherigen Nachbeobachtungszeit (6 bis 15 Monate) konnte bei allen Kindern eine komplikationslose Aufweitung des geschrumpften Bindehautsackes erreicht werden. Zudem zeigte sich im Seitenvergleich eine zunehmende Symmetrie hinsichtlich der horizontalen Lidkantenlänge sowie deren Stellung.

Schlußfolgerung: Die Implantation des hochhydrophilen Expanders in die vordere Orbitaregion ermöglicht die rasche Expansion des Prothesenbettes, induziert eine Angleichung der Lidarchitektur und ermöglicht eine optimale prothetische Versorgung.

1Universitäts-Augenklinik Rostock, Doberaner Str. 140, D-18057 Rostock
2Universitäts-Augenklink Göttingen, Robert-Koch-Str. 40, D-37075 Göttingen
3Universitätsklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Robert-Koch-Str. 40, D-37075 Göttingen
4Universitätsklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Strempelstr. 13, D-18055 Rostock


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