96. Jahrestagung der DOG 1998

K412

LANGZEITRESULTATE MIT DER IMPLANTATION VON HYDROXYLAPATIT ALS BULBUSERSATZ

A. Norda, H.-W. Meyer-Rüsenberg

Seit der ersten Implantation von Hydroxylapatit als Bulbusersatz 1985 zählt es in den USA zu den am weitest verbreiteten Implantaten. In Europa findet die Verwendung dieses Materiales nur langsam zunehmende Verbreitung. Seit Oktober 1993 wurde bei über 200 Patienten an unserer Klinik Hydroxylapatit nach Enukleation, Eviszeration oder auch im Austausch implantiert. Im Frühjahr 1997 wurden 52 Patienten in der Klinik nachuntersucht. Der mittlere postoperative Nachbeobachtungszeitraum lag bei 23 Monaten (12-41 Monate). Ziel der Studie war es, Daten über die subjektive Verträglichkeit, die Prominenz des Implantates im Vergleich zum natürlichen Auge, den Lidschluß und die Lidstellung, die Tiefe des Sulcus sowie über die messbare Beweglichkeit des Implantates mit und ohne eigenem Kunstauge zu erhalten. Alle Befunde wurden von einem Untersucher an der Spaltlampe dokumentiert. Die Motilitätsmessung erfolgte mittels einer modifizierten Keestenbaumbrille. Die Prominenz des Implantates wurde mit einem Hertel-Exophthalmeter gemessen.

Die subjektive Verträglichkeit wurde von 3/4 der Patienten als gut beurteilt. Der Rest gab als Beschwerden sowohl Nässen als auch Trockenheit an. Drei Patienten klagten über mangelnde Beweglichkeit und einer über persistierende Schmerzen. Beim Vergleich von Lage und Prominenz des Kunstauges gelang bei 8 Patienten ein kompletter Ausgleich. In der Mehrzahl der Fälle (80%) ergab sich eine leichte Unterkorrektur von 2mm. Inkompletter Lidschluß zeigte sich in 20% der Fälle; hauptsächlich bei den sekundären Operationen. An Lidfehlstellungen beobachteten wir bei 8 Patienten eine Ptosis, 6x ein Ektropium und in einem Fall ein Entropium. Die Deckfalte des Oberlides war nur in 32 Fällen erhalten, sofern diese auch präoperativ vorhanden war. Bindehautveränderungen zeigten sich von schleimbildenden Sekret bis zur follikulär-squamösen Hyperplasie. Bezüglich des Implantationsmodus war eine deutlich bessere Beweglichkeit bei den primären Implantaten zu beobachten. Statistisch signifikante Motilitätsunterschiede im Vergleich der Muskelankopplung (alle 6 Augenmuskel vs. 4 gerade Augenmuskel) waren aufgrund der kleinen Fallzahl nicht nachzuweisen.

Hydroxylapatit erwies sich im untersuchtem Kollektiv insgesamt als ein gut verträgliches Orbitaimplantat mit geringer postoperativer Komplikationsrate bei guter Beweglichkeit. Die primäre Implantation mit Fixation aller 6 Augenmuskel liefert die besten Resultate. Dabei wird das kosmetische Endresultat im wesentlichen von der präoperativen Ausgangssituation beeinflußt.

St. Josefs Hospital, Hagen


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