96. Jahrestagung der DOG 1998

P385

FIBRILLIN-1 GENEXPRESSION BEIM PSEUDOEXFOLIATIONS-SYNDROM: EIN PATHOGENETISCHES KONZEPT

U. Schlötzer-Schrehardt, K. von der Mark, M. Küchle, C. Rummelt

Dem Pseudoexfoliations (PEX)-Syndrom liegt eine bislang nicht geklärte generalisierte Störung in der extrazellulären Matrixsynthese zugrunde, die zur Ablagerung eines pathognomonischen Matrixprodukts in intra- und extraokularen Geweben führt. Ziel dieser Studie war die Analyse der charakteristischen Matrixstörung der involvierten Zellen auf molekularbiologischer Ebene.

Methodik: Das Glykoprotein Fibrillin-1, die Hauptkomponente elastischer Mikrofibrillen, erwies sich in vorausgegangenen Studien als integraler Bestandteil der PEX-Fibrillen. Daher wurde die Expression zytoplasmatischer Fibrillin-1 mRNA mittels nicht- radioaktiv markierter RNA-Sonden und in situ Hybridisierung an histologischen Präparaten intra- und extraokularer Gewebe von PEX- und altersentsprechenden Kontrollpatienten untersucht. Die Detektion der hybridisierten Sonden erfolgte mittels Fluoreszenz- oder chromogenen Markern.

Ergebnisse: Während Kontrollgewebe von Patienten ohne PEX-Syndrom keine positiven Signale zeigten, konnten bei Patienten mit PEX-Syndrom fokale positive Signale für Fibrillin-1 mRNA im prääquatorialen Linsenepithel, im unpigmentierten Ziliarepithel, in Fibroblasten und vaskulären Endothelzellen des Irisstromas, in Endothelzellen des Schlemmschen Kanals im Trabekelwerk sowie in Fibroblasten des konjunktivalen und dermalen Bindegewebes detektiert werden. Die Expression der Fibrillin-1 mRNA stimmte mit der immunhistochemischen Lokalisation des Fibrillin-positiven PEX-Materials auf Linse und Ziliarkörper, im Irisstroma und Trabekelwerk sowie im Bindegewebe von Konjunktiva und Lidhaut überein.

Schlußfolgerung: Die molekularbiologischen und immunhisto-chemischen Befunde begründen das Pathogenese-Konzept des PEX-Syndroms als einer Erkrankung elastischer Mikrofibrillen, die mit einer verstärkten Expression von Fibrillin-1 mRNA und einer abnormalen Produktion Fibrillin-1 positiver PEX-Fibrillen einhergeht.

[mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (SFB 539)]

Universitäts-Augenklinik, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen


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