96. Jahrestagung der DOG 1998

P382

EINSEITIGER ARCUS LIPOIDES CORNEAE BEI KONTRALATERALEM JUVENILEM GLAUKOM BEI STURGE-WEBER SYNDROM

I. M. Velten, J. Hayler

Hintergrund: Einzelne Fälle eines einseitigen Arcus lipoides wurden bisher in der Literatur an Augen mit absoluter oder relativer Hypotonie beschrieben. Wir berichten über einen Patienten mit einseitigem Arcus lipoides am Auge der relativen Hypotonie bei kontralateralem juvenilem Glaukom bei Sturge-Weber Syndrom.

Patient und Methoden: Ein 33-jähriger Patient stellte sich bei uns wegen eines einseitigen juvenilen Glaukoms links bei Sturge-Weber Syndrom vor. Das Glaukom mit maximalen Tensionswerten bis 40 mmHg war im ersten Lebensjahr diagnostiziert worden. Während der ersten beiden Lebensjahre war zweimal eine Zyklodiathermiepunktur nach Vogt sowie einmal im sechsten Lebensjahr eine Trabekulektomie durchgeführt worden. Seither lagen die Tensionswerte unter lokaler drucksenkender Medikation zwischen 16 und 20 mmHg links bei beständig niedrigeren Tensionswerten rechts. Ein Hämangiom im Bereich des ersten und zweiten Trigimunsastes war nach der Geburt mit Radiotherapie behandelt worden. Neurologische Ausfälle oder Symptome lagen nicht vor. Der Visus OD betrug 1,0, OS 0,6, die Tension applanatorisch OD 16 und OS 20 mmHg. Die statische Perimetrie ergab rechts einen unauffälligen Befund, links diffuse Gesichtsfeldausfälle mit einem mittleren Defekt von 8,7 dB. Abgesehen von einer milden intermittierenden Hypercholesterinämie bis 260 mg/dl zeigte der Patient keine internistischen Auffälligkeiten. Spaltlampenmikroskopisch zeigte sich ein ausgeprägter weißlich-gelblicher Arcus lipoides am rechten Auge, der links fehlte. Im übrigen war die Spaltlampenmikroskopie, Gonio- und Funduskopie rechts altersentsprechend unauffällig. Links zeigte sich eine episklerale Vaskularisation, die Iris war etwas dunkler als rechts. Der Kammerwinkel war zirkulär weit offen mit ausgeprägten uvealen Residuen. Die Papille war mäßiggradig glaukomatös verändert, die übrige Funduskopie unauffällig.

Schlußfolgerungen: Dieses Beispiel eines Patienten mit einseitigem Arcus lipoides an einem Auge mit relativer Hypotonie verglichen mit dem kontraleralen Auge mit juvenilem Glaukom kann zusätzlich zu bisherigen Beobachtungen einen weiteren Hinweis darauf geben, daß die einseitige Ablagerung von Lipiden nicht nur durch eine absolute Hypotonie mit Hyperämie und vermehrter Gefäßpermeabilität, sondern auch durch eine relative Hypotonie mit morphologischem Normalbefund begünstigt wird.

Mit Unterstützung der DFG, Sonderforschungsbereich Glaukome (SFB 539).

Augenklinik mit Poliklinik der Universität Erlangen-Nürnberg, Schwabachanlage 6, D-91054 Erlangen


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