96. Jahrestagung der DOG 1998

P380

FALLBERICHT: BEIDSEITIGES PAPILLENÖDEM ALS ERSTMANIFESTATION EINES PRIMÄREN HYPOPARATHYREOIDISMUS

T. Grasbon, C. Möhring, M. W. Ulbig

Ein Hypoparathyreoidismus mit konsekutiver Hypokalzämie ist eine extrem seltene Ursache eines Papillenödems, wozu in der Literatur nur einzelne Fallbeschreibungen vorliegen.

Patient: Ein 56-jähriger Patient stellte sich mit dem klinischen Bild einer beidseitigen chronischen Stauungspapille vor. Subjektiv war eine beidseitige langsame Verschlechterung der Sehschärfe aufgefallen, die bei Erstuntersuchung beidseits 0,6 cc betrug. Allgemeinanamnestisch bestand lediglich eine leichte Hyperthyreose, die mit Jodid eingestellt war. Sonografisch wurde eine beginnende endokrine Orbitopathie ohne Kompression des Nervus opticus festgestellt. Die unter dem primären Verdacht einer intrakraniellen Raumforderung durchgeführte neurologische Konsiliaruntersuchung inklusive Computertomographie brachte keinen Hinweis auf einen Hirntumor. Die internistische Konsiliaruntersuchung ergab eine massive Hypokalzämie (Ca: 1,2 mmol/1; Norm 2,1-2,6 mmol/1) bei serologisch unter die Nachweisgrenze erniedrigtem Parathormonspiegel und erniedrigtem Vitamin D-Spiegel, was zur Diagnose eines primären Hypoparathyreoidismus führte. Eine Therapie mit dem Parathormonanalogon AT10Ò und Calcium wurde eingeleitet, worauf sich nach etwa 4 Wochen der Calciumspiegel auf 2,45 mmol/I normalisierte. Unter der Annahme eines zugrundeliegenden Autoimmunprozesses wurde parallel eine Steroidtherapie ausschleichend über 6 Wochen durchgeführt.

Ergebnisse Zwei Wochen nach Therapiebeginn zeigte sich eine Visusverbesserung auf rechts 1,0 cc und links 0,8 cc. Diese Sehschärfe blieb in der Folge stabil. Am rechten Auge bildete sich das Papillenödem innerhalb 3 Monate zurück, am linken Auge bestanden nach 4 Monaten noch eine geringes zentrales Papillenödem mit einzelnen umgebenden harten Exsudaten.

Schlußfolgerungen: Wir berichten über einen 56-jährigen Patienten, bei dem ein Papillenödem zur Diagnosestellung des primären Hypoparathyreoidismus führte. Bei chronischem Papillenödem ist die Untersuchung des Calziumspiegels eine einfache Maßnahme, um das Vorliegen eines Hypoparathyreoidismus auszuschließen.

Augenklinik der Universität München, Mathildenstr. 8, 80336 München


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