96. Jahrestagung der DOG 1998

K321

DIE ROLLE DES GLASKÖRPERS BEI DER KONVENTIONELLEN ABLATIOCHIRURGIE MIT BULBUSEINDELLUNG

U. Mester1, N. Anterist1, P. Kroll2, S. Brieden2

Geprüft wurde, ob der Glaskörper für die Wiederanlegung der abgehobenen Netzhaut bei konventioneller Ablatiochirurgie mit Bulbuseindellung durch episklerale Plomben oder Cerclagen notwendig ist bzw. ob das Fehlen des Glaskörpers nach Vitrektomie zwangsläufig interne Tamponaden mit Gas oder Silikonöl erfordert.

Patienten: Eine retrospektive Untersuchung wertete die Krankengeschichten von 717 Patienten (718 Augen) aus, die zwischen Januar 1995 und Juni 1997 an einer rhegmatogenen Netzhautablösung operativ behandelt wurden. 41 der 718 Augen zeigten eine Netzhautablösung in zuvor vitrektomierten Augen. 48 der verbleibenden 677 Augen waren hochmyop (>-10 D) mit kompletter hinterer Abhebung und weitgehendem Kollaps des Glaskörpers. Die eindellenden Maßnahmen bestanden bei 513 Augen in einer Silikonschwammplomben (254 radiär, 259 limbusparallel); bei 202 Augen erfolgte eine Cerclagenaufnähung. 3 Augen wurden mittels einer Ballonoperation behandelt. Die Nachbeobachtungszeit betrug mindestens 3 Monate.

Ergebnisse: Nach primär eindellender Operation lag die Netzhaut in 71,2 % der nicht vitrektomierten Augen an, nach Reoperation in 92,6 %. Nach bis zu 3 Reoperationen betrug die Wiederanlegungsrate 98,7 %. Die entsprechende Wiederanlegungsrate in den 41 vitrektomierten Augen betrug 82,9 % nach primär eindellender Netzhautoperation und 97,6% nach Reoperation. Die 48 hochmyopen Augen (>-10 D) zeigten eine erfolgreiche Wiederanlegung der Netzhaut in 58,3 % nach einer, 93,7 % nach zwei und 95,8 % nach drei Operationen. Entscheidend für die Bedeutung des Glaskörpers bei der Wiederanlegung der Netzhaut durch ein- buckelnde Verfahren ist der Vergleich der primären Wiederanlegungsraten nach einbuckelnden Operationstechniken, da bei den Reoperationen interne Tamponaden in unterschiedlicher Häufigkeit zur Anwendung kamen. Die höchste Erfolgs- rate zeigten mit 82,9 % die vitrektomierten Augen im Vergleich zu Wiederanlegungsraten von 71,2 % in den nicht vitrektomierten und 58,3 % in den hochmyopen Augen.

Schlußfolgerung: Die Ergebnisse sprechen gegen eine entscheidende Rolle des Glaskörpers für die Wiederanlegung der Netzhaut bei bulbuseindellenden Operationsverfahren. Die Entscheidung über das Operationsverfahren bei einer rhegmatogenen Ablatio retinae sollte daher von den bekannten Kriterien, wie Anzahl und Lage der Netzhautdefekte, sowie dem Ausprägungsgrad proliferativer vitreoretinaler Veränderungen abhängig gemacht werden, nicht jedoch vom Vorhandensein bzw. Fehlen des Glaskörpers.

1Augenklinik der Bundesknappschaft, An der Klinik 10, 66280 Sulzbach/Saar
2Universitäts-Augenklinik Robert-Koch-Str. 4, 35037 Marburg


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