96. Jahrestagung der DOG 1998

K314

PERIBULBÄRANÄSTHESIE VERSUS TOPISCHE ANÄSTHESIE BEI DER KATARAKTOPERATION: VERGLEICH DES POSTOPERATIVEN VERLAUFES

T. Heuermann, N. Anders, P. Rieck, Chr. Hartmann

Die intrakamerale Gabe von konservierungsstoffreien Lokalanästhetika, zum Beispiel Lidocain, zur Lokalanästhesie bei der Kataraktoperation wird von immer mehr Operateuren als alternatives Standardverfahren neben der herkömmlichen retrobulbären oder peribulbären Injektion propagiert. Toxizität von Lidocain auf korneales Endothel ist beschrieben (1). Wir haben den postoperativen Verlauf nach peribulbärer Anästhesie und nach intraokularer Gabe von Lidocain 1%ig hinsichtlich des postoperativen Reizzustandes, Hornhautbefundes, intraokularen Druckes und Visus sowie postoperativer Komplikationen untersucht.

Patienten: In diese prospektive, randomisierte Studie wurden 70 Augen von 70 Kataraktpatienten in je zwei Gruppen aufgenommen. Die Lokalanästhesie erfolgte in der ersten Gruppe mittels Peribulbärinjektion von 6ml Xylonest 2%ig (Prilocainhydrochlorid), in der zweiten Gruppe mittels intrakameraler Applikation von 0,15 ml Lidocain 1%ig zu Beginn der Operation (Phakoemulsifikation + Implantation einer Hinterkammerlinse). Das Durchschnittsalter betrug 72,9± 9,5 Jahre. 30 Minuten postoperativ wurde der unkorrigierte Metervisus gemessen. Am ersten postoperativen Tag wurde die Kornea hinsichtlich Transparenz, Ödem, Descemetfalten, Endothel, sowie der Vorderkammerreizzustand (Tyndall, Zellen) an der Spaltlampe beurteilt. Der intraokulare Druck wurde applanatorisch gemessen, der bestkorrigierte Visus festgehalten. Ebenso wurden etwaige postoperative Komplikationen dokumentiert.

Ergebnisse: Der unmittelbar postoperativ gemessene Visus war in der Lidocaingruppe signifikant besser als in der Peribulbärgruppe. Am ersten postoperativen Tag unterschieden sich die Gruppen diesbezüglich nicht mehr. 14% der Peribulbärgruppe wiesen ein mildes Hämatom an der Einstichstelle auf. Descemetfalten fanden sich in 10% der Peribulbärgruppe und etwa doppelt so häufig in der Lidocaingruppe. Diese waren in den Nachkontrollen nicht mehr nachweisbar. Der Vorderkammerreizzustand war in beiden Gruppen vergleichbar stark ausgeprägt.

Schlußfolgerungen: Die topische Anästhesie mittels intraokularer Gabe von Lidocain umgeht die Risiken einer peribulbären/retrobulbären Injektion und bietet dem Patienten eine schnelle postoperative visuelle Rehabilitation. Sie stellt eine mögliche Alternative zu den herkömmlichen Anästhesieverfahren dar.

1. Judge-AJ et al.: Ophthalmology 1997 Sep; 104(9): 1373-9

Augenklinik, Universitätsklinikum Charité, Campus Virchow-Klinikum, D-13353 Berlin


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