96. Jahrestagung der DOG 1998

K31

IRIS-ANGIOGRAPHISCHE VERÄNDERUNGEN BEI MULTIFOKALER CHORIORETINITIS

B. Wiechens, B. Nölle

Hintergrund: Die multifokale Chorioretinitis (MFCR) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der peripheren Netz-/Aderhaut. Begleitende Vitritis, zystoides Makulaödem oder eine Cataracta complicata können zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Visus führen. Auch nach systemischer Steroidbehandlung und vitreoretinaler Chirurgie ist die Prognose quoad visum eingeschränkt [l]. Trotz fehlender oder geringer klinisch sichtbarer Vorderabschnittsbeteiligung neigen die Patienten, besonders nach einer Kataraktextraktion, zu heftigen chronischen Entzündungsreaktionen, die häufig eine Explantation der Intraokularlinse notwendig machen bzw. zum Belassen einer Aphakie zwingen [2]. In der vorliegenden Studie untersuchten wir deshalb morphologisch klinisch unauffällige Irides von Patienten mit MFCR mittels Fluoreszenzangiographie, um Aussagen hinsichtlich der Prognose nach Kataraktextraktion machen zu können.

Material und Methoden: Bei 10 Augen mit MFCR wurde eine Iris-Angiographie durchgeführt. Die Erkrankung bestand im Durchschnitt 13 Monate. Alle Patienten hatten im Verlauf der Erkrankung eine systemische Corticosteroid-Behandlung erhalten. An 6/10 Augen wurde wegen erheblicher Glaskörpertrübungen eine Pars-Plana-Vitrektomie (PPV) durchgeführt, bei 3/10 Augen eine Kataraktextraktion mit Intraokularlinsen-Implantation (IOL). Bei 2 dieser 3 Augen mußte die IOL wegen einer chronischen Entzündungsreaktion wieder explantiert werden.

Ergebnisse: Trotz klinisch unauffälliger Iris fanden sich in allen Augen angiographisch z.T. ausgeprägte Veränderungen des Gefäßsystems. Hierzu gehörten Füllungsdefekte, Gefäßneubildungen mit z.T. erheblicher Leckage und Umgehungskreisläufe. Nach Durchführung einer PPV kam es in 2 von 6 Augen zu einer Besserung der Irisbefunde.

Schlußfolgerung: Obwohl spaltlampenmikroskopisch unauffällig, weisen die Irisgefäße von Patienten mit MFCR z.T. erhebliche Veränderungen auf. Vor einer geplanten Kataraktextraktion mit IOL, ggfs. in Kombination mit einer PPV bei ausgedehnten Glaskörpertrübungen, sollte daher zur besseren Einschätzung der Prognose eine Iris-Angiographie durchgeführt werden.

1. Nölle B, Eckardt C. Ger J Ophthalmol 1993; 2: 14-19.

2. Nölle B, Winter M, Faul S, Wiechens B, Behrendt S, Tidow-Kebritchi S. 11. Kongreß der DGII,

Springer Heidelberg 1998, S. 350-359.

Klinik für Ophthalmologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Hegewischstr. 2, 24105 Kiel

 


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