96. Jahrestagung der DOG 1998

K296

Motilitätsstörungen nach Kataraktoperationen in Lokalanästhesie

J. Fricke, A. Neugebauer, U. Pink, W. Rüßmann

Wir analysierten die Motilitätsbefunde von 14 Patienten, die uns wegen einer Vertikaltropie nach Kataraktoperation zugewiesen wurden. Bei allen Patienten war die Kataraktoperation in örtlicher Betäubung vorgenommen worden. Auf Rückfrage wurde uns angegeben, daß in der Mehrzahl der Fälle die Injektionstechnik in einer Parabulbärinjektion von 3 ml Bupivacain 0,5% und 3-5 ml Lidocain 1% bestand. Es wurden jeweils 3-5 ml der Analgetikamischung über eine temporal-inferiore und eine 2-3 ml über eine nasal-superiore Injektion appliziert. Die betroffenen Patienten waren zum Zeitpunkt der Kataraktoperation zwischen 68 und 82 Jahren alt. (Mittel:73,2 Median:73) Es waren 10 Frauen und 4 Männer betroffen. In elf Fällen war die Störung linksseitig. Alle Patienten zeigten am betroffenen Auge ein Hebungsdefizit sowohl in Ab- als auch in Adduktion des Bulbus mit entsprechendem Tieferstand des betroffenen Auges. Das Hauptdefizit der Bulbushebung fand sich unter Schielwinkelmessung mit Maddox-Dunkelrotglas an der Harmswand in Adduktion, in Primärposition betrug die Vertikaltropie 0,5 - 25 Grad (Mittel:12,2 Median:10). Mit gleicher Meßtechnik fand sich bei der überwiegenden Zahl der Fälle eine Exzyklotropie, die in Primärposition 1° -10° Grad ausmachte (Mittel: 4.7; Median:5). Unsererseits wurden korrigierende Augenmuskeloperationen durchgeführt, zum Zeitpunkt der Schieloperation hatte über mindestens 4 Monate ein stabiler Schielwinkel bestanden. Intraoperativ wies in einigen Fällen die Prüfung der passiven Motilität auf eine Fibrosierung des Musculus rectus inferior hin. In allen Fällen wurde durch die Schieloperation ein doppelbildfreies Gebrauchsblickfeld wiederhergestellt. Als ursächlich für die Motilitätsstörungen müssen myotoxische, eventuell dosis- oder konzentrationsabhängige Pharmakawirkungen, aber auch direkte Injektionstraumata oder indirekte, volumenbedingte Traumata diskutiert werden. Eine zusätzliche, altersbedingte Prädisposition ist möglich.

Universitäts-Augenklinik Köln, D-50924 Köln


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