96. Jahrestagung der DOG 1998

K293

ENDOTHELZELLVERLUST NACH PHAKOEMULSIFIKATION IN ABHÄNGIGKEIT VON PRÄ- UND INTRAOPERATIVEN PARAMETERN

T. Walkow1, N. Anders1, S. Klebe2

Hintergrund: Um den postoperativen Astigmatismus nach Kataraktoperationen zu beeinflussen, kann der chirurgische Zugang variiert werden. So kann bei einem Astigmatismus gegen die Regel mit einem lateralen Zugang der Astigmatismus postoperativ minimiert werden. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob die Lokalisation der 7 mm korneoskleralen Tunnelinzision sowie weiterer intra- und präperativer Parameter einen Einfluß auf den Endothelzellverlust besitzt.

Patienten und Methoden: Fünfzig Patienten ohne bekannte okuläre Risikofaktoren wurden prospektiv ausgewählt (mittleres Alter 73,8 Jahre) und abhängig vom Astigmatismus in zwei Gruppen, superiorer und temporaler Operationszugang, eingeteilt. Präoperativ wurden anatomische Parameter wie Bulbuslänge, Vorderkammertiefe, Linsendicke und Astigmatismus bestimmt. Intraoperativ wurden die Dauer sowie die relative Energie bei der Phakoemulsifikation als auch die Gesamtoperationsdauer aufgezeichnet. Mit Hilfe eines Nonkontakt-Spekularmikroskopes (Noncon Specular Microscope, Robo CA) wurde die Endothelzellzahl zentral, bei 12 h als auch temporal nach sechs Wochen, sechs Monaten und nach zwölf Monaten postoperativ bestimmt.

Ergebnisse: Bezüglich der intraoperativen Parameter Phakozeit (0,9 min vs 0,9 min), relativer Phakointensität (42,9% vs 46,5%) und Operationsdauer (12,3 min vs 11,7 min) fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen superiorem und temporalem Operationszugang (p>0,05). Abhängig vom chirurgischen Zugang resultierte kein signifikanter Unterschied bezüglich des Endothelzellverlustes. In der Gruppe mit superiorem Zugang ergab sich nach sechs Wochen ein Endothelzellverlust von 8,0%, nach sechs Monaten von 8,4 und nach zwölf Monaten von 8,7% gegenüber 7,0%, 7,7% und 8,2% in der Gruppe mit temporalem Zugang (p>0,05). Der Endothelzellverlust des lateralen Quadrant n betrug in der superioren Gruppe 13,9 %, 13,4% und 12,7% gegenüber 10,8%, 10,9% und 11,2% bei temporalem Zugang (p>0.05). Es fand sich ebenfalls keine signifikante Differenz zwischen beiden Gruppen bezüglich des Zellverlustes im oberen Quadranten (11,9%, 11,5% und 11,9% gegenüber 9,5%, 9,8% und 10,9%). Signifikante Risikofaktoren für einen erhöhten Endothelzellverlust waren kürzere Bulbuslängen und geringere Vorderkammertiefen (p<0.05).

Schlußfolgerungen: Der operative Zugang des 7-mm kornealen Zugangs kann abhängig vom präoperativen Astigmatismus vorgenommen werden, ohne das Risiko für einen Endothelzellverlust zu erhöhen. Kürzere Augen mit flachen Vorderkammern besitzen ein signifikant höheres Risiko für einen intraoperativen Endothelzellverlust.

1Augenklinik der Humboldt Universität zu Berlin, Charité; Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1, D-13353 Berlin.
2Department of Ophthalmology, Flinders University; Adelaide, South Australia


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