96. Jahrestagung der DOG 1998

K290

OPERATIONSBEFUNDE BEI LUXIERTEN LINSENFRAGMENTEN

K.-H. Velhagen, F. Schweig

Einleitung: Die Luxation von Linsen oder deren Fragmenten bei Staroperationen bedeutet auch nach dem Wandel der Operationsmethoden eine ernste Komplikation. Aus unseren Erfahrungen von den Pars-plana-Vitrektomien mit Phakofragmentation nach komplikationsbelasteten Kataraktoperationen sollen Hinweise zur Vermeidung schwerster Verläufe gegeben werden.

Material und Methode: Zwischen 1991 und 1998 wurden 55 Patienten operiert, bei denen es zur Verlagerung von Linsenfragmenten in den Glaskörperraum gekommen war, die in 10 verschiedenen Kliniken und operativen Praxen voroperiert worden waren.

Ergebnisse: Die Linsenfragmente konnten in allen Fällen entfernt werden. Von 4 Augen mit begleitenden großen Aderhautblutungen erblindete eins, da die extreme Aderhautblutung aus der Erstoperation nicht ausreichend abgelassen werden konnte. Bei 10 Patienten bestanden Netzhautrisse und zum Teil große Ablösungen mit Inversion der Netzhaut. Linsenfragmente lagen subretinal. In 8 Fällen konnte die Netzhaut zum Anliegen gebracht werden, während ein Auge am Sekundärglaukom bei Ölfüllung erblindete und ein Patient wegen des Allgemeinzustandes nicht nachoperiert werden konnte. Präoperative Drucksteigerungen ließen sich bis auf einen Fall bei lange bestehendem Glaukom regulieren. Die Funktion wurde in Abhängigkeit vom Makulabefund bei 49 Patienten gebessert.

Diskussion: Günstige Verläufe, auch mit Sekundärimplantation einer IOL, wurden erreicht, wenn die Erstoperation bei Schwierigkeiten rechtzeitig abgebrochen wurde. Mehrfach war die Aufklärung des Patienten über die Komplikationen unterblieben. 4 Patienten kamen erst mehrere Monate später mit Sekundärglaukom oder Ablatio retinae in die Klinik. Die großen, z. T. mehrfachen Netzhautrisse waren infolge der Versuche entstanden, durch vordere Vitrektomie die Operation trotz Schwierigkeiten mit der Linsenabsaugung erfolgreich abzuschließen.

Schlußfolgerung: Bei Luxation von Linsenfragmenten sollte eine baldige Pars-plana-Vitrektomie bzw. Phakofragmentation vorgenommen werden. Der rechtzeitige Abbruch der Linsenoperation bei Schwierigkeiten ermöglicht eine erfolgreiche Korrektur, auch mit IOL-Implantation in gleicher Sitzung oder in den Folgetagen. Versuche, über den Starschnitt in den Glaskörper verlagerte Linsenteile zu entfernen oder sogar die Belassung der Fragmente, können Ursache schwerster Komplikationen sein.

Augenklinik, Universitätsklinikum Charité, Campus Virchow-Klinikum, D-13353 Berlin


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