96. Jahrestagung der DOG 1998

V29

Konfokale Indocyaningrün-Angiographie mit dreidimensionaler Topographie: Erste klinische Ergebnisse

 U. Schmidt-Erfurth 1, J. Noack 2, R. Birngruber 2

Ziel: Die konfokale Indocyaningrün-Angiographie (ICGA) liefert eine detailreiche Darstellung chorioidaler Pathologien in zweidimensionaler Darstellung. Die tatsächliche Ausdehnung proliferativer Prozesse in angrenzende Schichten, vor allem in Netzhautstrukturen sowie von innerhalb der Chorioidea gelegenen vaskulären Defekten ist mit konventionellen Angiographiemethoden jedoch nicht beurteilbar. Ein neuartiges Verfahren zur dreidimensionalen Darstellung von retinalen und vor allem chorioidalen Gefäßpathologien wurde entwickelt und erstmals klinisch eingesetzt.

Methode: Fokalserien wurden mittels eines konfokalen Laser Scanning Ophthalmoskopes (Heidelberg Retina Angiograph) 1-2 Minuten nach Farbstoffgabe durchgeführt. 32 Bilder in einer Schichtdicke von 4 mm wurden mit einer Frequenz von 20 Hz aufgenommen. Nach Korrektur von lateralen und rotatorischen Verschiebungen, wurden Isointensitätsflächen normierter ICG-Fluoreszenzen bestimmt.

Ergebnisse: Die physiologische Aderhautschicht zeigt eine homogene konkave Oberfläche mit gefeldertem Binnenmuster. Abschirmeffekte durch Pigment oder Blut werden weitgehend eliminiert. Klassische chorioidale Neovaskularisationen (CNV) sind durch einen prominenten Randwall mit zentraler Einsenkung charakterisiert. Okkulte CNV’s stellen sich ebenfalls als Prominenzen - mit flach-konvexer Begrenzung - dar. Die Progredienz der CNV über 12 Monate mit zunehmender Ausdehnung in lateraler Richtung war ebenfalls dokumentierbar. Eine Therapie der CNV (ALK, PDT, Chirurgie) führt im Verlauf zu einem Rückgang der Prominenz auf physiologisches Aderhautniveau mit oder ohne residuale Defektbildung im chorioidalen Perfusionsmuster. Ein Verlust der Kapillarschicht wie z.B. bei Makuladystrophien imponiert als scharf begrenzte Einsenkung in der Aderhautfläche. Aderhautinfiltrate erscheinen ebenfalls als umschriebene Perfusionsdefekte. Lasereffekte führen erst nach Monaten zu chorioidalen Defekten mit Kraterkonfiguration.

Schlußfolgerung: Die konfokale Laser Angioskopische Topographie (CLAST) erlaubt erstmals eine in vivo-Darstellung von Prominenz und Tiefenausdehnung vaskularisierter Prozesse. Sie ermöglicht eine bisher nicht zugängliche Charakterisierung von pathologischen Proliferationen (z.B. CNV) und von Perfusionsdefekten, eine gezielte Kontrolle des Therapieverlaufes und die Darstellung dynamischer Exsudationsprozesse durch Vergleich konsekutiver Serien.

1 Universitätsaugenklinik Lübeck, Ratzeburger Allee 160, D-23538 Lübeck

2 Medizinisches Laserzentrum Lübeck, Peter-Monnik-Weg 4, D-23562 Lübeck

 

 


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