96. Jahrestagung der DOG 1998

K269

POLYURETHAN STENT IMPLANTATION BEI TRÄNENWEGSSTENOSEN: KOMPLIKATIONEN UND ERGEBNISSE NACH 8 MONATEN ERFAHRUNG

N. Anders1, K.-T. Hoffmann2, N. Hosten2, T. Walkow1, R. Felix2, Chr. Hartmann1

Die Dakryozystorhinostomie stellt noch immer das Standardverfahren bei absoluter Tränenwegsstenose dar. In letzter Zeit wurden Methoden entwickelt, die es ermöglichen, unter Beibehaltung der natürlichen Abflußwege eine Durchgängigkeit und damit die Beseitigung des Leitsymptoms Epiphora zu erzielen. Eine von Radiologen entwickelte auf der Seldingertechnik beruhende Methode der retrograden Implantation eines durchgängigen Polyurethan-Röhrchens in den Ductus nasolacrimalis stellt eine vielversprechende Alternative dar. Komplikationen und Ergebnisse einer prospektiven Studie werden vorgestellt.

Patienten und Methoden: Es wurden 20 Patienten mit einer radiologisch gesicherten absoluten Tränenwegsstenose therapiert. Ihr Alter betrug 22-84 Jahre (Mittelwert 55 Jahre). Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit betrug 7,5 Monate (4-11 Monate). In allen Fällen wurde der Polyurethan-Stent unter Durchleuchtungskontrolle implantiert. Seine Durchgängigkeit wurde direkt postoperativ, nach 1 Monat und nach 8 Monaten mittels Dakryozystographie kontrolliert.

Ergebnisse: Insgesamt wurden 17 kurze (35 mm) und 3 lange (45 mm) Stents implantiert. Letztere reichten bis in den Canaliculus superior. Bei 18 der 20 Patienten konnte auch nach 9 Monaten noch Durchgängigkeit des Stents nachgewiesen werden. Bei 1 Patientin mußte der Stent unter Durchleuchtungskontrolle durch Sondierung wieder rekanalisiert werden. Bei einem weiteren Patienten kam es zu einer Verlagerung eines kurzen Stents in den oberen Canaliculus, so daß er gezogen werden mußte. Hier war der Stent offenbar zu hoch implantiert worden. Postoperative Dakryozystitiden traten bei keinem der Patienten auf.

Schlußfolgerung: Erfolgs- und Komplikationsraten lassen den Polyurethan-Stent als eine echte Alternative zur Toti-Operation erscheinen, wenngleich die Nachkontrollzeiten noch zu kurz für eine abschließende Beurteilung sind. Die Vorteile liegen im geringeren Zeitaufwand, der fehlenden Hautinzision und der problemloseren Anästhesie, die Nachteile im hohen Preis des Implantates und der bisherigen Notwendigkeit einer Durchleuchtungseinheit.

1Augenklinik, Universitätsklinikum Charité, Campus Virchow-Klinikum, D-13353 Berlin
2Strahlenklinik, Universitätsklinikum Charité, Campus Virchow-Klinikum, D-13353 Berlin


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