96. Jahrestagung der DOG 1998

V258

SCHWERWIEGENDE NAHTINSUFFIZIENZEN ALS KOMPLIKATION BEI KERATOPLASTIKEN

B. Nölle, G. Grütters, M.A. Halene

Hintergrund: Verbesserungen der Kultivierung von Spenderhornhäuten, der mikrochirurgischen Operationstechniken, der Gewebetypisierung, immunologischen Grundlagenforschung sowie der postoperativen Nachsorge haben die Indikationsliste einer perforierenden Keratoplastik ausgeweitet. Die mikrochirurgischen Verbesserungen haben zwar das Problem einer Wundfistel in den Hintergrund gedrängt, in Einzelfällen droht jedoch bei unsicherem Wundverschluß der Verlust des Auges. Unklar ist, welche Faktoren hier relevant sind.

Patienten und Methodik: Im Zeitraum von 1990 bis 1997 wurden 1000 Keratoplastiken eines operativen Zentrums regelmäßig nach einem standardisierten Behandlungsschema postoperativ nachbetreut. Einfache Wundfisteln, die mit einer einmaligen Fadennachlegung oder konservativ zu beherrschen waren, wurden nicht näher analysiert. Dagegen wurden die Ursachen für 21 schwerwiegende Wunddehiszenzen untersucht.

Ergebnisse: Unmittelbar postoperativ (1-3 Tage) zeigten 8 Patienten zum Teil großflächige Wundfisteln mit einem Irisprolaps als Folge einer problematischen Wirtshornhaut (stromale Hornhautverdünnung bei Keratokonus oder Herpes, Fadendurchwanderung bei Keratomalazie durch aktive Herpes-Keratitiden, Verätzungsnarben oder rheumatische Ulzera). Späte Komplikationen traten bei 13 Patienten auf. Hier führten Wundheilungsstörungen bei Alkoholabhängigkeit, Herpes-Keratitis, rheumatischer Grunderkrankung oder gar eine traumatische Fadenruptur zur Wunddehiszenz.

Schlußfolgerung: Vor einer Keratoplastik sollte auf folgende Parameter geachtet werden: (1.) eine ausreichende Compliance der Patienten, (2.) eine Inaktivierung etwaiger florider Herpes-Keratitiden, (3.) eine Immunsuppression bei Keratitiden im Rahmen von Autoimmunerkrankungen, (4.) weitgreifende Nähte zur sicheren Transplantatverankerung in der Wirtshornhaut.

Univ.-Augenklinik, Hegewischstr. 2, D-24105 Kiel


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