96. Jahrestagung der DOG 1998

V250

ZUR URSACHE KORNEALER TRÜBUNGEN NACH GEWEBE-PLASMINOGENAKTIVATOR INDUZIERTER FIBRINOLYSE IN DER VORDERKAMMER

L. Hesse, B. Nebeling, T. Kauffmann

Nach Behandlung einer Fibrinreaktion durch Gewebe-Plasminogenaktivator (engl. tissue plasminogen activator, TPA) im vorderen Augenabschnitt wurden vereinzelt irreversible Hornhauttrübungen bestehend aus Calcium-Phosphat beobachtet. Zur Ursache der kornealen Trübungen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts bekannt. Es wurden daher tierexperimentelle Untersuchungen durchgeführt.

Methode: Bei Kaninchen wurde die Linse chirurgisch (Phakoemulsifikation) entfernt und der Eingriff mit einer intracameralen Gabe von TPA (25m g) beendet. Bei einer zweiten Gruppe wurde über eine Parazentese Fibrin in die Vorderkammer injiziert. Nach 10 min wurde zur Auflösung des Fibrinkoagels 25m g TPA in die Vorderkammer eingegeben. Als Kontrolle wurde entweder eine Lentektomie ohne TPA-Injektion oder ausschließlich eine Injektion von TPA durchgeführt. Bei allen Tieren erfolgte einheitlich vor dem Eingriff eine medikamentöse Mydriasis mit Cyclopentolat. Abschließend erhielten alle Kaninchen ein subkonjunktivales Refobacin-Depot. Der Nachweis von Hornhautveränderungen erfolgte sowohl biomikroskopisch als auch histologisch.

Ergebnisse: Nach Phakoemulsifikation der Linse und abschließender TPA- Injektion entwickelten sich in den ersten 3 Tagen scharf abgegrenzte Hornhauttrübungen im Bereich der Lidspalte, die bis eine Woche nach dem Eingriff noch zunahmen. Histologisch handelte es sich um Calcium-Phosphat- Ablagerungen in der Bowmannschen Membran und den oberflächlichen Stromaschichten. Diese Trübungen wurden nicht beobachtet, wenn Fibrin ohne vorangegangenes chirurgisches Trauma enzymatisch aufgelöst wurde. In den Kontrolltieren entstanden ebenfalls keine Trübungen.

Schlußfolgerung: Hornhauttrübungen, wie sie klinisch und histologisch beim Menschen nach Fibrinolyse durch TPA beschrieben wurden, lassen sich tierexperimentell erzeugen. Eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung der Trübungen ist eine Störung der Endothelfunktion. Im Rahmen des chirurgischen Eingriffs könnte diese sowohl mechanisch (Ultraschall) als auch toxisch (Prostaglandine) verursacht werden.

MZ für Augenheilkunde, Philipps-Universität, Robert-Koch-Str. 4, D-35033 Marburg


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