96. Jahrestagung der DOG 1998

K226a

Kartierung der retinalen Funktion mit dem multi-input Elektroretinogramm unter Anwendung einer neuen Technik. Das SLO evozierte multifokale ERG (SLO-m-ERG)

G. Rudolph1, T. Berninger1, G.B. Arden2, M. Bechmann1, I. Zolnikova3, C.Hörmann1, A. Kampik1

Zielsetzung: Topographische Kartierung der retinalen Funktion im Bereich des zentralen Gesichtsfeldes unter Anwendung eines mit dem konfokalen Scanning Laser Ophthalmoskop erzeugten und getriggerten multifokalen Elektroretinogramms (SLO-m-ERG). Darstellung der Möglichkeiten hinsichtlich der Analyse der linearen Approximation (1. Wiener Kernel), der nicht-linearen Approximation (2. Wiener Kernel), sowie der Antwort zweiter Ordnung.

Methode: Zur Durchführung eines multifokalen ERG´s wird ein konfokales Scanning Laser Ophthalmoskop als Stimulator und Taktfrequenzgeber (50Hz) eingesetzt. Die Stimulusmatrix, welche ein Gesichtsfeldbereich von 24° umfaßt, kann 19, 37, 61, 103 oder 241 hexagonalen Flächen dargestellt werden. Der sichtbare Stimulus wird durch einen Helium-Neon-Laser (623,8nm) mit einer Leistung von 0-200m W erzeugt. Die simultane Funduskopie und damit die Kontrolle der Fixation wird durch einen Infrarot-Laser (780nm) mit einem Leistungsumfang von 0-2000m W ermöglicht. Das Fundusbild, das Fixationskreuz und die hexagonale Matrix werden auf dem Videoschirm in Echtzeit dargestellt. Die Anwendung einer durchsichtigen Kontaktlinsenelektrode (Jet-Elektrode) gewährleistet eine gute optische Abbildungsqualität. Die Software ermöglicht die Analyse der linearen Approximation (first order kernel), der nicht-linearen Approximation (second order kernel), sowie der Antwort zweiter Ordnung. Es besteht weiterhin die Möglichkeit die Approximation zweiter Ordnung abzuleiten und hieraus die Approximation erster Ordnung zu errechnen.

Ergebnis: Untersuchungen bei Patienten mit Netzhautfunktionsstörungen bedingt durch Veränderungen im Bereich der Makula zeigen reduzierte Amplituden in der Analyse der Komponenten erster und zweiter Ordnung. Die Amplitudendichte kann für jedes beliebige Hexagon bestimmt werden. Es ist weiterhin möglich gemittelte Werte von hexagonalen Flächen gleicher Exzentrizität (Ringe) oder von bestimmten definierten Arealen zu erlangen. Bisher liegen Untersuchungsergebnisse von Patienten mit Makuladystrophien, entzündlichen retinalen Erkrankungen, Makulaforamen, altersbedingter Makuladegeneration, Diabetes, Glaukom und von Personen mit unklarer Visusminderung ohne morphologische Veränderungen vor. Im Vergleich zum Monitor stimulierten m-ERG zeigen sich Latenzen im SLO generierten m-ERG signifikant verlängert.

Schlußfolgerung: Das Scanning-Laser-Ophthalmoskop evozierte m-ERG stellt eine neue Methode zur topographischen Kartierung der retinalen Funktion unter simultaner Fixationskontrolle dar. Diese Technik ermöglicht eine klare Zuordnung von elektro-physikalisch meßbaren Antworten zu definierten Flächen auf der Retina. Die Approximation erster Ordnung scheint geeignet zu sein für Untersuchungen der Sehnervenrezeptorschicht, während die Approximation zweiter Ordnung, welche zu einem wesentlichen Teil in den inneren Schichten der Netzhaut generiert wird, besonders zur Evaluierung der Netzhautfunktion bei Patienten mit Glaukom oder Diabetes geeignet sein könnte. Das mit dem SLO-m-ERG erfaßte Gesichtsfeld beträgt 24° und eignet somit für die Diagnostik von Erkrankungen der Makula.

1Augenklinik der LMU München, Mathildenstraße 8, D-80336 München
2City University, Applied Vision Research Center, Oswell Road 321, UK-EC1V7DD, London
3Helmholtz Institut / Moskauer Med. Akad., Bolschaya Pirogovskaya Str. 6-8, RF-119881


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