96. Jahrestagung der DOG 1998

V20

Schweregrad der generalisierten Mikroangiopathie bei Patienten mit isolierter diabetischer Makulopathie (DMP) und Patienten mit proliferativer diabetischer Retinopathie (PDRP)

M. Opitz 1, C. Moschner2, A. Vieregge2, M.Heide 2, U. Schmidt-Erfurth 1

 Hintergrund: Die diabetische Mikroangiopathie induziert zwei charakteristische Manifestationsformen in der Netzhaut: Exsudative Gefäßreaktionen im Makulabereich (DMP) oder okklusiv-ischämische Mechanismen mit Bildung von Neovaskularisationen in der mittleren und äußeren Netzhautperipherie (PDRP). Die PDRP ist eng korreliert mit der diabetischen Polyneuropathie (PNP) und wird als Symptom einer schweren generalisierten Mikroangiopathie gewertet. Bei der DMP ist das Ausmaß der systemischen mikrovaskulären Schädigung nicht untersucht.

Patienten und Methode: Eine prospektive Studie bei Patienten entweder mit isolierter DMP oder früher PDRP mit avaskulären Zonen und beginnender Neovaskularisation ohne DMP wurde durchgeführt. Die retinale Angiopathie wurde ophthalmoskopisch und angiographisch klassifiziert. Das Stadium der generalisierten Mikroangiopathie wurde durch Erhebung des Polyneuropathiestatus mit klinischer neurologischer Untersuchung, Elektroneuro- (ENG) und Elektromyographie (EMG) dokumentiert.

Ergebnisse: Das Durchschnittsalter lag in der DMP-Gruppe (n=26) bei 61,3, in der PDRP-Gruppe (n=20) bei 59,5 Jahren. Der HbA1C-Wert lag bei DMP bei 9,6%, bei PDRP bei 8,7%. Bei 58,8% der Patienten mit DMP und bei 70% der Patienten mit PDRP fand sich klinisch und elektrophysiologisch (EMG/NLG) eine eindeutig nachweisbare PNP. Klinisch wiesen beide Gruppen eine Schädigung in Form einer distal-symmetrischen PNP auf. Neurographisch zeigte sich stets eine pathologische Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit im ENG, während Denervationszeichen im EMG lediglich bei 20% der Patienten mit DMP, aber bei 50% der PDRP-Patienten dokumentierbar waren.

Schlußfolgegung: Die Mehrzahl der Patienten mit PDRP, aber auch die Hälfte aller Patienten mit isolierter DMP zeigen eine deutliche PNP als Ausdruck einer generalisierten Mikroangiopathie. Dies weist darauf hin, daß auch DMP Patienten ein erhebliches Risiko für eine generalisierte Gefäßerkrankung haben. Zeichen eines chronisch neurogenen Umbaus im EMG fanden sich zusätzlich allerdings häufiger bei PDRP, vereinbar mit einer schweren Ausprägung der Angiopathie in dieser Gruppe.

1 Universitäts-Augenklinik Lübeck und 2 Universitätsklinik für Neurologie, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck


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