96. Jahrestagung der DOG 1998

K162

KATARAKTCHIRURGIE IM JUNGEN ERWACHSENENALTER: BESTEHEN UNTERSCHIEDE ZU ÄLTEREN PATIENTEN?

H. Claßen, G.W. Nietgen, Th. Kauffmann, S. Bodanowitz

Hintergrund: Unsere Studie soll Indikationen und Ergebnisse von Kataraktoperationen bei Patienten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr darstellen und eine Abschätzung ermöglichen, ob hier ein klinischer Verlauf zu erwarten ist, der sich von der Operation bei seniler Katarakt unterscheidet.

Methodik: Im Rahmen einer retrospektiven Erhebung wurden die Daten aller Patienten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr ausgewertet, die von 1993 bis 1996 an einer Katarakt operiert wurden (Standardtechnik: Phakoemulsifikation, nahtloser skleraler Tunnel, PMMA-lOL). Dabei handelte es sich um 60 Augen von 51 Patienten (27 Frauen und 24 Männer) mit einem Durchschnittssalter von 33,4 (21 - 40) Jahren. Die Patienten wurden im Mittel 28,3 (12 - 52) Monate nachbeobachtet. Ausschlußkriterium für die Studie waren Katarakt-OPs im Rahmen eines kombinierten Eingriffs.

Ergebnisse: Ursachen für die Kataraktentstehung waren langjährige Steroidmedikation (15 Augen), Zustand nach Pars plana-Vitrektomie (11 Augen), perforierende Linsenverletzungen (8 Augen), Fortschreiten einer kongenitalen Katarakt (8 Augen), Uveitis (6 Augen), unklare Ätiologie (12 Augen). Der präop. Visus lag zwischen HBW und 0,8 (Mittel: 0,23), am Ende der Nachbeobachtungszeit betrug der postop. Visus im Mittel 0,85 (HBW bis 1,2). Bei 16 Augen (27%) wurde wegen Nachstar eine YAG-Laser-Kapsulotomie durchgeführt. Komplikationen wie Endophthalmitis oder Pseudophakieamotio wurden nicht beobachtet. Kein Patient fühlte sich durch den Verlust der Akkommodationsfähigkeit auf dem operierten Auge gestört.

Schlußfolgerungen: Für die meisten Katarakte im jugendlichen Erwachsenenalter kann eine spezifische Entstehungsursache gefunden werden. Anhand der vorliegenden Serie von 60 Augen findet sich kein Hinweis auf eine Komplikationsrate, die von der Operation bei seniler Katarakt abweicht. Für die Indikationsstellung zur OP sollten die gleichen Kriterien wie bei der senilen Katarakt gelten.

Medizinisches Zentrum für Augenheilkunde der Philipps-Universität, Robert-Koch-Str. 4, D-35037 Marburg


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